2009 2. Quartal

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  erträglich
 nicht empfehlenswert

Marcel Khalife, Caress
Connecting Cultures, CC 50044
Marcel Khalife, Caress ****Marcel Khalife aus dem Libanon gehört zu den virtuosen Erneuerern des Oud-Spiels. Ausgehend von der nahöstlichen Tradition der Taqasim, in denen ein gewisses Maß an Improvisation nach festgelegten Regeln bereits vorgesehen ist, erweitert er die Freiräume, strebt dabei aber das alte Ziel an: das Moment tiefster Innigkeit, arabisch Tarab, die Musiker und Zuhörer gleichermaßen erfassen soll. Soweit er dabei Elemente aus türkischem Samai und spanischem Flamenco einbezieht, bewegt er sich immerhin noch auf folkloristischem Boden. Auf dem aktuellen Album bringen Rami Khalife am Piano, Bachar Khalife am Vibraphon und Peter Herbert am Bass darüber hinaus jazz-typische Intervalle und Rhythmen mit ein und bereichern dadurch das Spektrum erheblich, ohne jedoch das orientalische Feeling zu sprengen oder zum exotischen Vorwand zu degradieren. Das Ergebnis ist vielmehr eine spannende, moderne und konzertante Version der Taqasim, deren meisterliche Fingerfertigkeit und poetischer Feinsinn den prächtigen Blüten traditioneller arabischer Kunst in nichts nachsteht.
www.marcelkhalife.com    www.choicemusic.nl

Max Grosch Quartet, Brahms meets Jazz
Classic Concerts, CCR 62044
Während der Versuch, klassisches Material zu verjazzen, im glücklichen Fall dazu führt, dass dem Stück neue Reize hinzugefügt werden, oder besser: dass Reize, die in tieferen Schichten einer Komposition schlummerten, zum Leben erweckt und für jeden hörbar gemacht werden, so ist dies im vorliegenden Fall mit Brahms nicht so recht gelungen. Eher im Gegenteil: Die Schönheiten der Violin-Sonate in A-Dur oder der Symphonie Nr. 3 und noch heftiger die der Ungarischen Tänze Nr. 5 und 16 werden zerfasert, ohne das etwas Gleichwertiges oder Besseres an ihre Stelle träte. Grosch betont, man sei mit diesem Experiment noch auf dem Weg, und natürlich müssen Raum und Freiheit sein für solche Experimente. Vorerst aber scheint mir der intellektuelle Anspruch der Akteure ziemlich isoliert an sich selbst verhaftet geblieben zu sein. Die Aufnahmen wecken bei mir vor allem zwei Wünsche: Brahms im Original einerseits und eine richtige Jazz-Platte andererseits zu hören.
www.maxgrosch.com    www.classicconcert.com

Julian Sas, Wandering Between Worlds (2 CDs)
CoraZong, CRZ 255114
Der 39jährige Niederländer schwärmt von Jeff Beck und Jimi Hendrix, Buddy Guy und Rory Gallagher, Miles Davis und den Allman Brothers und dann geht er mit seinem Trio auf die Bühne, und man hört von (fast) allen Genannten etwas. Gesanglich lehnt er sich vor allem bei Jimi an, gitarristisch wechseln die Quellen. Den Blues-Rock der 60er Jahre hat er jedenfalls gefressen und bringt ihn überzeugend rüber. In seinen eigenen Stücken zitiert er oft, insofern imitiert er auch, und Neues bietet er gar nicht. Aber stets hat man den Eindruck, dass er wirklich fühlt, was er da spielt. Und deshalb macht das Doppelalbum, komplett live aufgenommen, auch Spaß.
www.juliansas.com    www.corazong.com

Sarah McQuaid, I Won’t Go Home ’Til Morning
No label given, SMQCD 002
Zwischen der Folklore Irlands und der der Appalachian Mountains ist Sarah McQuaid aufgewachsen, und nachdem sie ihr erstes Album ihrer europäischen Wurzel gewidmet hatte, ist nun ihre amerikanische an der Reihe. Und es bereitet Freude zu hören, dass alte Melodien wie „Shady Grove“, „Cluck Old Hen“ oder „The Wagoner’s Lad“ auch heute noch einer jungen Interpretin der Mühe wert sind. Und dann mischt sie mit voller Altstimme auch noch eine sehr gelungene Version von Bobbie Gentry’s „Ode To Billy Joe“ zwischen die Traditionals – toll. McQuaid beweist, dass das Klangbild von akustischen Gitarren mit ein bisschen Percussion, Bass und hier und da einem Fiedelstrich tatsächlich so zeitlos ist, wie von Liebhabern seit jeher behauptet wird.
www.sarahmcquaid.com

Search, Today Is Tomorrow
Search Productions, no number given
Auf dem fruchtbaren Boden des Boston Berklee College Of Music machten Trompeter RJ Avallone und Reed-Spieler Matthew Maley erstmals Bekanntschaft miteinander – im Umfeld von Clark Terry, McCoy Tyner, Eddie Palmieri ect. 2006 gründeten sie Search, ihr wichtigster Mentor ist Ornette Coleman. Doch es ist weniger dessen Pionierarbeit im Atonalen oder im Free Funk, es ist mehr der Geist der Gesamtpersönlichkeit Coleman, der seine jungen Freunde inspiriert. Streckenweise scheinbar konventionell, dann wieder gegen den Strich, entwickeln die beiden Bläser gemeinsam spannende Motive und Brüche, kreieren starke Emotionen und humorvolle Metaphern, öffnen Wege, die oftmals von zwingender Logik sind und dennoch die Ziele nicht vorwegnehmen – und sie swingen. Herzenswärme ist meist der Eindruck, mit dem sie den Hörer am Ende eines Stücks und auch des Albums entlassen. Bassist David Moss und Drummer Bryson Kern haben unterschiedlich stark Anteil an diesen Prozessen, begleiten manchmal eher, wirken andererseits oft wie auf dem Sprung zu mehr. Dieses Quartett fängt erst an, ein großes Potential auszuschöpfen. Deshalb heißt es ja auch Search und nicht Found, nehme ich an.
www.searchforthepresent.com

Raúl Jaurena, Te Amo Tango
Soundbrush Records, SR-1009
Aus Uruguay, der zweiten, weniger bekannten Heimat des Tango, stammt Raúl Jaurena, lebte aber auch lange in Venezuela und seitdem in Queens, New York – wenn er nicht auf Tour ist. Jaurena ist vor allem in den USA ein gefragter Bandoneonist und arbeitete mit Stars wie Paquito D’Rivera und Giora Feidman. Dass der Tango ganz allgemein von plötzlichen Kontrasten lebt, ist eine Sache. Jaurena allerdings reizt sie mitunter so heftig aus, dass einem der Atem stockt wie bei einer Filmmusik an der spannendsten Stelle. Und da er mit einem großen Ensemble arbeitet, hat er jede Menge Möglichkeiten, solche Höhepunkte vorzubereiten und auszukosten. Das vorliegende Album versteht er als Resümee seiner langen Karriere als Instrumentalist, Komponist und Arrangeur. In jedem Fall legt es Zeugnis ab von einem großen Bandoneon-Meister und stellt mit Marga Mitchell auch eine sehr bemerkenswerte Tango-Sängerin vor.
www.rauljaurena.com    www.soundbrush.com

Louisiana Red, Back To The Black Bayou
Ruf Records, RUF 1149
Louisiana Red, Back To The Black BayouIch schreibe sonst nur aus Waschzetteln bzw. Liner Notes ab, die ohnehin aus meiner eigenen Feder stammen. In diesem Fall aber ist eine Ausnahme statthaft, denn warum sollte ich verschweigen, dass es sich bei diesem Album tatsächlich um das stärkste und aufregendste handelt, das seit Langem von Louisiana Red zu hören war? Er singt und spielt wirklich mit einem Drive, als ginge es um sein Leben, und er hat in der Tat in Little Victor einen Produzenten und Partner-Gitarristen an Bord, der das Beste aus ihm herausholt. 77 Jahre ist der Mann aus Alabama inzwischen alt, aber auf der Bühne glüht er immer noch wie ein Vulkan, und dieses Feuer brannte auch im Juke Joint Studio, wo diese Aufnahmen entstanden: schwerer elektrischer Blues, der in seiner Kompromisslosigkeit oftmals an Muddy Waters erinnert. Wunderbar die miteinander verschmelzenden Gitarren von Red und Little Victor, insgesamt drei mitreißende Mundharmonika-Spieler, zwei Pianisten, William „Bill“ Troiani am Bass sowie Robert Alexander Petterson am Schlagzeug und Peter Lundell als Percussionist schaffen einen Sound, der einen mit tiefster Ehrfurcht und höchster Freude erfüllt. Und als Krönung Red’s ergreifender Gesang. Trotz all meiner Liebe für seine akustischen Sachen: Das ist definitiv Louisiana Red at his best!
www.louisiana-red.com    www.rufrecords.de

Amelia Curran, War Brides
Six Shooter Records, SIX047
Eine interessante Stimme im wahrsten Sinne des Wortes unter den Singer/Songwriterinnen ist Amelia Curran. Tom Waits, Leonard Cohen and Neil Young nennt sie als Vorbilder, aber zumindest auf diesem, ihrem vierten Album hat sie längst ihre eigene Handschrift gefunden. Melancholie spielt eine Rolle in ihren Songs, aber bei welchem denkenden Menschen täte sie das nicht. Mit leicht brüchiger, aber warmer Altstimme singt sie von allem, was Narben auf der Seele hinterlässt, aber nicht in weinerlichem Selbstmitleid, sondern mit tapferem Trotz nach dem Motto: „Auch aus einem Schmerz lässt sich schließlich ein guter Song machen“. Und damit schlägt man ihm ein Schnippchen. Ihren Gesang begleitet sie eher schlicht auf der Gitarre, aber Phil Sedore sorgt mit zusätzlichen Blas-, Saiten- und Tasteninstrumenten inklusive Akkordeon dafür, dass zwischen Folk, Blues und Country keinerlei Langeweile aufkommt. In Amelia Curran’s kanadischer Heimat erschien „War Brides“ bereits 2006 und verkaufte sich prächtig. Es wurde höchste Zeit, dass ihr Name über Amerikas Norden hinaus Verbreitung findet.
www.ameliacurran.com    www.sixshooterrecords.com

Guy Davis, Sweetheart Like You
Redhouse Records, RHR CD 211
Bob Dylan’s „Sweet Heart Like You“ hat nicht nur dem aktuellen Album den Titel gegeben. Guy Davis singt es auch als opener, weil er so oft um diesen Song gebeten wird, verrät er in den Liner Notes. Bei Leadbelly, Son House, Willie Dixon, Muddy Waters und Big Joe Williams suchte er sich die anderen Titel aus und steuerte natürlich auch wieder etliche eigene bei. So hat er nach „Skunkmellow“ und einem in Bremen aufgenommenen Konzert-Mitschnitt wieder ein Top-Blues-Album abgeliefert. Seine diversen Gitarren, Mandoline und Banjo und seine Mundharmonika werden dabei von hervorragenden, aber sehr sparsam eingesetzten Studio-Musikern unterstützt. Besonderes Lob verdient Professor Louie (Aaron Hurwitz) an der Orgel und anderen Tasteninstrumenten. Die Atmosphäre aber macht wieder seine uralte Stimme, die den Hörer einerseits um Jahrzehnte zurückversetzt in den Sound der großen Senioren, zugleich aber auch die Brücke schlägt zu einem authentischen Blues der Gegenwart.
www.guydavis.com    www.redhouserecords.com

Marcin & Bartlomiej Brat Oles, Duo
Fenommedia, FM 08-007
Schlagzeug und Bass im Duo einzusetzen und sie damit zu alleinigen, von allen begleitenden Funktionen befreiten Instrumenten eines musikalischen Geschehens zu machen, das ist nicht einzigartig, das tun z.B. auch Henry Grimes und Rashied Ali. Aber natürlich bedarf es herausragender Fähigkeiten, um daraus gute und attraktive Musik entstehen zu lassen. Für Marcin Oles, den mit etlichen Preisen ausgezeichneten Kontrabassisten, mag dabei hilfreich sein, dass er u.a. Erfahrungen als Theater-Komponist und –Musiker mitbringt. Jedenfalls bietet er nicht nur einen enormen Klangfarbenreichtum auf seinem Viersaiter, sondern zeigt auch ein tiefes Verständnis für Dramatik, und dasselbe gilt für seinen Bruder, den Schlagzeuger Bartlomiej Oles. Die Befreiung ihrer Instrumente mag längst stattgefunden haben, aber Freiheit muss bekanntlich immer wieder neu gelebt und ggf. erkämpft werden, um lebendig zu bleiben. Die polnischen Brüder tun dies mit gleichermaßen viel Liebe zum Melodischen wie zum Rhythmischen, mit sicherer Balance zwischen Harmonie und Avantgarde, benötigen deshalb auch keine gewaltsamen Eruptionen, sondern schaffen eine prickelnde Spannung zwischen meditativen und fiebrigen Passagen, die nicht nur den musikalischen Intellekt anspricht, sondern auch auf emotionaler Ebene Schönheit und Wärme verströmt.
www.oles-oles.com    www.fenommedia.pl

FisFüz, Golden Horn Impressions
Peregrina Music, PM 50542
Mit „Golden Horn Impressions“ hat das Ensemble FisFüz um den herausragenden Percussionisten Murat Coskun gerade seine vierte gemeinsame CD vorgelegt. Und wieder ist es ein kleines Meisterwerk geworden. Gürkan Balkan an der Oud und Annette Maye auf der Klarinette schweben mit Coskun und seinen Rahmentrommeln einfallsreich und virtuos zwischen Tradition und Moderne – folkloristisch schlicht, jazzig groovy und melodisch wie rhythmisch so vielschichtig wie die Stadt Istanbul, dieser ewige Bazar interkultureller Begegnungen zwischen Orient und Okzident. Dies um so mehr, als mit Mehmet Akatay, Shakir Ertek, Muhittin Temel, Mehmet Ungan, Holger Mertin und Andrea Piccioni auch noch tolle Gastmusiker mitgewirkt haben.
www.fisfuez.de    www.peregrinamusic.de

The Dave Fox Group, Home Again
Konnex Records, KCD 5215
„Leaving The City“ heißt der opener und überfällt den Hörer mit nervenzersägendem Großstadtlärm von Dave Fox’ Keyboards, Bruce Eisenbeils Gitarre, Pat Lawrence’s Bass und Jon Marc Ryan Dale’s Schlagzeug. Und dann geht es auf eine spannende Reise. Der „Well-Prepared Suitcase“ lässt die Vermutung aufkommen, dass die Musiker sich mit viel Selbstironie betrachten, auch über „Airports And Me“ wird mancher wissend schmunzeln. Kindlich verspielt beginnt die Begegnung mit einem Straßen-Troll, entwickelt sich aber nach und nach zu einem beängstigenden Erlebnis, und man ist froh, dass man beim Anbruch der Nacht in Neumexiko erst mal Atem schöpfen und lyrische Momente genießen darf. Atonales und Dissonantes kennzeichnen das Album – wie könnte es bei diesen Akteuren anders sein – aber dies ist nicht vordergründiger Selbstzweck. Wenn man im 19. Jahrhundert den natürlichen Lauf der Moldau musikalisch beschreibt, dann klingt das eben so wie bei Smetana und ist adäquat. Wenn man im 21. Jahrhundert eine Reise beschreibt, dann klingt es adäquat, wenn sich die Atonalitäten und Dissonanzen unserer Lebenswelt und unserer Innenwelten darin widerspiegeln, und genau dies gelingt der Dave Fox Group. Dass trotzdem auch Schönheit darin Platz hat, zeigt nicht nur der abschließende Titel-Track „Home Again“, der den weisen Zusatz trägt: „for now – vorerst“.
www.davefoxgroup.com    www.konnex-records.de

Richie Arndt, Train Stories (2 CDs)
Fuego 1835-0
Richie Arndt, Train Stories (  CDs)Zumindest auf Musiker üben Eisenbahnzüge trotz fast alltäglichen Fliegens immer noch eine große Faszination aus, jedenfalls hören sie nicht auf, Lieder darüber zu machen bzw. aus dem reichen Fundus an schon vorhandenen Train-Songs zu schöpfen. Richie Arndt, vor allem deutschen Blues-Fans ein längst bekannter Meister auf akustischer und elektrischer Gitarre, hat sich mit diesem Doppelalbum zum Thema besonders viel Mühe gemacht. 22 Titel aus Folk, Blues, Rock und Pop hat er aus hunderten ausgesucht, und schon die Liste als solche verrät sorgfältige Arbeit. Traditionals wie „Get On Board“ und der „Midnight Special“ sind ebenso dabei wie Leadbelly’s „Rock Island Line“, John Lee Hooker’s „Hobo Blues“, Jimi Hendrix’ „Hear My Train A Coming“ oder Graham Nash’s „Marrakesh Express“. Aber hier wird nichts in schon zu oft gehörter Manier nachgespielt. Hier wurde mit unglaublich viel Liebe und sehr viel Könnerschaft aus Altem Neues geschaffen, sodass die Songs fast so frisch klingen wie die fünf eigenen, die Arndt ganz unauffällig dazwischen geschmuggelt hat. Und dabei hatte Arndt hervorragende Mitstreiter. Als Sängerin und ausgezeichnete Harmonika-Spielerin glänzt Kellie Rucker aus Texas, und am Akkordeon leistet Manfred Leuchter, der auch schon mal Reinhard Mey produziert, erstklassige Arbeit. Natürlich sind Arndts Stamm-Musiker Felix Janosa (kb), Jens-Ulrich Handreka (b) und Frank Boestfleisch (dr) ebenfalls mit von der Partie. Diese Mannschaft bietet immer wieder exzellente Soli und erreicht ein traumhaftes Zusammenspiel. Und als wäre das alles nicht schon fantastisch genug, hat Arndt aus der zweiten Scheibe auch noch gleich ein Hörbuch gemacht, auf dem er zwischen den Songs Geschichte und Geschichten von der Eisenbahn vorliest. Das Album hat lediglich einen Fehler: Es sind nur zwei Scheiben drin. In dieser Machart hätte es gern ein halbes Dutzend sein dürfen.
www.richiearndt.de    www.fuego.de

Trilok Gurtu, Massical
BHM / Zyx, BHM 1037-2
Es war ein langer Weg von einer Amateur-Gruppe namens Waterfront in Bombay an die Spitze der internationalen Percussion-Szene. 1981 hörte ich Trilok Gurtu zum ersten Mal live, und zwar mit Don Cherry. Der weltmusikalische Ansatz blieb Gurtus roter Faden, und auf Massical vereinen sich Elemente aus Indien, der westlichen Welt und Afrika, teils folkloristischer Natur, teils aus dem Jazz, teils klassischen Ursprungs, teils aus der Rock-Musik. Multi-Instrumentalisten wie Carlo Contini, Roland Cabezas und Phil Drummy wirken mit, mehrere Bassisten sowie mehrere Sängerinnen und Sänger scharen sich um Trilok’s Tablas und seine vielen anderen Percussion-Instrumente. Geigen, diverse Bläser inklusive Didgeridoo, elektrische und akustische Gitarren, Keyboards, ein Santoor und ein Cello fügen sich zu farbenprächtigen Klanggeweben. Und die wirken keineswegs abstrakt-intellektuell, sondern bodenständig und sinnlich, reisen auch nicht von Kontinent zu Kontinent, sondern treffen sich auf einem globalen Dorfplatz wie alte Freunde, die dort regelmäßig aus den verschiedensten Zutaten ein gemeinsames Festmahl bereiten. Die Musik folgt Melodien und Harmonien, die auch in Jazz und Weltmusik weniger geübte Hörer leicht einsteigen und an der fröhlichen Party teilnehmen lassen. Übrigens ist auch Jan Garbarek mit einem Gastauftritt dabei.
www.trilokgurtu.net    www.zyxmusic.com

Lara St. John, Vivaldi – The Four Season, Piazzolla – The Four Seasons Of Buenos Aires
Ancalagon,. ANC 134
Noch eine Aufnahme von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, könnte man denken, aber man sollte durchaus hineinhören. Lara St. John, bekannt für ihre Virtuosität und ihr Temperament, hat mit dem fantastischen Simon Bolívar Youth Orchestra Of Venezuela unter der Leitung von Eduardo Marturet eine Aufnahme mit durchaus eigener Handschrift eingespielt. Richtig interessant allerdings wird es bei Piazzolla’s „Vier Jahreszeiten von Buenos Aires“. Mit der Geige als Hauptinstrument und derselben Begleitung wie oben entfaltet St. John eine Leidenschaft, Kühnheit und Ausdrucksstärke, die auch dem Bandoneon-Meister selbst sicherlich ausgezeichnet gefallen hätte. So ist sie genau die Richtige, sich dieses selten gehörten Werks anzunehmen und neue Fans für Piazzolla’s umfangreichere Arbeiten zu gewinnen.
. www.larastjohn.com

John Campelljohn, Good To Go
Pepper Cake / Zyx, Pec 2053-2
Der Einstieg auf der elektrischen Gitarre ist ziemlich heavy geraten, und insgesamt wirkt das Album, vornehmlich elektrisch und mit Bass und Schlagzeug eingespielt, zwar sehr solide, aber nicht unbedingt originell. Der Titel „Jack Of All Trades“ mit Reggae- und Hawaii-Feeling bei leiserem Backup ist da eher die gelungene Ausnahme. Campelljohn’s Solo-Arbeit mit akustischer Gitarre und Dobro gefällt mir erheblich besser, weil da seine Qualitäten als Slide-Gitarrist und auch sein Gesang viel subtiler und differenzierter zur Geltung kommen.
www.campelljohn.ca    www.zyxmusic.com

Luca Ciarla, Fiddler In The Loop
Violipiano Records, VPR 005
Die Looping-Maschine ist schon eine reizvolle Sache, wenn man nicht der Versuchung erliegt, sie als reines Spielzeug zu benutzen. In dieser Hinsicht ist Ciarla standhaft geblieben. Aber er hätte ruhig ein bisschen mehr die Post abgehen lassen können – nicht unbedingt auf dem Loop, aber auf seiner Geige. Gitarre, Piano und Kontrabass sind für ihn wichtigere Begleitinstrumente als das Effektgerät, und das ist löblich. Aber auf dem Führungsinstrument kommt Ciarla nur bei „Bella Ciao“ ei wenig in Fahrt, und da erwartet man von einem hochgelobten Violinisten und Komponisten doch erheblich mehr.
www.lucaciarla.com    www.violipiano.it

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